Michael Zemann Rechtsanwalt
Michael P. Zemann

Rechtsanwalt & Fachanwalt für Versicherungsrecht und Verkehrsrecht

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Ihre Private Unfallversicherung zahlt nicht? Die wichtigsten Hinweise vom Anwalt

Im Jahr 2015 ereigneten sich in Deutschland fast 10 Millionen Unfälle, die meisten davon – rund 7 Millionen – in Haushalt oder Freizeit.

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Ihre private Unfallversicherung zahlt nicht? Rufen Sie uns an unter 0221 – 953 50 20. Wir beraten Sie gerne!

Für solche Situationen kann eine private Unfallversicherung abgeschlossen werden, die dann z.B. eine Unfallrente oder eine einmalige Zahlung leistet.

Inhalt

  1. Was ist eine private Unfallversicherung?
  2. Wann zahlt die private Unfallversicherung?
  3. Welche Zahlungen leistet die private Unfallversicherung?
  4. Warum zahlt der Versicherer nicht?
  5. Was tun, wenn der Versicherer nicht zahlt?
  6. Fazit

1. Was ist eine private Unfallversicherung?

Die private Unfallversicherung ist nicht zu verwechseln mit der gesetzlichen Unfallversicherung, die vor allem Arbeitsunfälle oder Berufskrankheiten absichert. Arbeitnehmer, Studenten, Schüler und einige mehr sind dort pflichtversichert.

Für diese Personen ist die private Unfallversicherung also für Unfälle außerhalb der Arbeit relevant.

Außerdem steht die private Unfallversicherung neben der Krankenversicherung. Ist infolge des Unfalls also eine ärztliche Behandlung oder sogar ein Krankenhausaufenthalt notwendig, übernimmt bereits die Krankenversicherung diese Kosten.

Die private Unfallversicherung kann – je nach Vereinbarung – unter Umständen eine lebenslange Invalidenrente zahlen oder eine Einmalzahlung leisten. Daneben sind weitere Bestandteile möglich, zum Beispiel die Zahlung von (Krankenhaus-)Tagegeld.

Tipp: Einige Kreditkarten-Verträge beinhalten eine private Unfallversicherung. Hier gilt allerdings einmal mehr, dass die Bedingungen genau durchgelesen werden sollten. Oft sind weitreichende Ausschlüsse enthalten.

2. Wann zahlt die private Unfallversicherung?

Die private Unfallversicherung zahlt, wenn ein Unfall im Sinne des Versicherungsrechts vorliegt. Die gesetzliche Definition lautet: Ein Unfall ist ein von außen auf den Körper des Versicherten wirkendes Ereignis, wodurch dieser unfreiwillig eine Gesundheitsschädigung erleidet.

Zum Beispiel in folgenden Situation ist ein Unfall anzunehmen:

  • A ist auf dem Weg zum Supermarkt. Auf dem Fußweg übersieht er ein Schlagloch und knickt um. Er erleidet einen Bänderriss.
  • A fällt beim Fensterputzen aus dem ersten Obergeschoss und ist fortan querschnittsgelähmt.

In folgenden Situationen liegt dagegen kein Unfall vor:

  • A fügt sich absichtlich eine Verletzung zu, um an die Versicherungssumme zu gelangen (diese Beeinträchtigung ist nicht „unfreiwillig“).
  • Beim Joggen reißt eine Sehne des B, weil er diese jahrelang überstrapaziert hat (anders als im o.g. Beispiel ist hier kein äußerer Umstand wie ein Schlagloch ursächlich).

Doch auch wenn für sich genommen ein Unfall nach dieser Definition vorliegt, kann in den Versicherungsbedingungen vereinbart werden, dass bestimmte Ereignisse nicht als Versicherungsfall gelten.

In den Musterbedingungen des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft sind einige solcher Ausschlüsse vorgesehen, etwa für Unfälle, die auf alkoholbedingte Bewusstseinsstörungen zurückgehen oder die durch die Teilnahme an Rennen mit Motorfahrzeugen zustande kommen.

Diese Musterbedingungen sind allerdings für Versicherer nicht bindend, sodass sich beim Vergleichen der Tarife ein Blick in die Bedingungen lohnt.

3. Welche Zahlungen leistet die private Unfallversicherung?

Sollte ein Versicherungsfall vorliegen, stellt sich die Frage, was der Versicherte nun verlangen kann. Häufig wird eine einmalige Invaliditätsleistung vereinbart.

Von einer Invalidität spricht man, wenn die geistige oder körperliche Leistungsfähigkeit unfallbedingt dauerhaft beeinträchtigt ist.

Dauerhaft ist eine Beeinträchtigung, wenn sie voraussichtlich länger als drei Jahre bestehen wird und eine Änderung dieses Zustandes nicht zu erwarten ist.

Wie hoch die Invaliditätsleistung ist, hängt von zwei Umständen ab:

  • von der Versicherungssumme und
  • dem Invaliditätsgrad.

Die Versicherungssumme wird bei Abschluss der Versicherung vereinbart, zum Beispiel 125.000€. Der Invaliditätsgrad ergibt sich in der Regel aus der sogenannten Gliedertaxe.

Dies ist eine Tabelle, die in den Versicherungsbedingungen enthalten ist. So könnte zum Beispiel dort stehen, dass der Funktionsunfähigkeit eines Zeigefingers ein Invaliditätsgrad von 10% beigemessen wird. Die Invaliditätsleistung wäre dann:

125.000 € x 10% = 12.500 €

Möchte der Versicherte mehr Geld bekommen, muss er eine höhere Versicherungssumme vereinbaren. Dementsprechend steigt dann der Beitrag.

Auch die Zahlung einer Unfallrente ist verbreitet. Diese wird in der Regel bis zum Lebensende gezahlt, wenn sich der Invaliditätsgrad nicht ändert. Es handelt sich um eine monatliche Zahlung, die grundsätzlich an einen bestimmten Mindest-Invaliditätsgrad geknüpft ist. Wie hoch diese Zahlung ist, wird ebenfalls mit dem Versicherer vereinbart.

Soll diese Rente höher sein, erhöht sich der Beitrag.

Darüber hinaus kann auch ein Tagegeld vorgesehen sein, insbesondere für Selbständige. Bei diesen bleibt in der Regel auch das Einkommen aus, wenn man etwa vorübergehend wegen eines Unfalls im Krankenhaus liegt.

Der Versicherte erhält dann Geld für die Zeit, in der er nicht seiner Arbeit nachgehen kann. Wie hoch das Tagegeld ausfällt, hängt von der dafür vereinbarten Versicherungssumme und dem Grad der Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit aufgrund des Unfalls ab.

Besteht diese Einschränkung zu 70%, werden 70% des vereinbarten Tagegeldes gezahlt.

Außerdem kann eine Todesfallleistung vorgesehen sein. So lässt sich zum Beispiel in den Versicherungsbedingungen vereinbaren, dass der Versicherer im Falle eines unfallbedingten Todes im ersten Jahr nach dem Unfall eine zuvor bestimmte Summe zahlt. Diesen Betrag erhalten dann die Erben.

Weitere Vereinbarungen sind möglich, zum Beispiel die Übernahme von Kosten für Bergungs- und Rettungseinsätze oder für eine kosmetische Operation, um eine unfallbedingte Beeinträchtigung zu beseitigen.

4. Warum zahlt der Versicherer nicht?

Hat man nach dem Unfall einen Antrag beim Versicherer gestellt, kommt es immer wieder vor, dass die Zahlung abgelehnt wird.

Häufig führt der Versicherer folgende Gründe an:

  • Er geht nicht von einem Unfall aus. Wie die oben genannten Beispiele zeigen, ist die Feststellung eines Unfalls in der Tat oft nicht leicht zu beantworten.
  • Der Versicherer zweifelt den erforderlichen Invaliditätsgrad an.
  • Ihnen wird vorgeworfen, sich nicht rechtzeitig bei dem Versicherer gemeldet oder zu spät den Arzt um eine Diagnose gebeten zu haben.
  • Der Anbieter hält sich nicht für zuständig; zum Beispiel, weil er von einem Wegeunfall ausgeht, der von der gesetzlichen Unfallversicherung zu regulieren sei.
  • Der Versicherte habe beim Vertragsschluss falsche Angaben gemacht. Der Versicherungsbeitrag hängt wesentlich von den Angaben ab, die der Versicherte beim Vertragsschluss macht. So kann der Versicherer einschätzen, wie hoch das Risiko für ihn ist. Wurde der Vertragsschluss sogar bewusst durch falsche Angaben erwirkt, kann der Versicherer den Vertrag in der Regel anfechten.
  • Der Versicherer beruft sich auf einen Risikoausschluss (üblich z.B. für Unfälle infolge von Heilmaßnahmen oder Kraftfahrzeugrennen)

5. Was tun, wenn der Versicherer nicht zahlt?

Zunächst sollten Sie sich die Begründung des Versicherers genau ansehen, warum dieser nicht zahlt. Ist die Argumentation in Ihren Augen nicht stichhaltig, empfiehlt sich folgendes Vorgehen:

  • Lassen Sie dem Versicherer zunächst genügend Zeit zur Prüfung Ihres Antrags. Haben Sie allerdings nach ca. vier Wochen noch keine Antwort erhalten, setzen Sie eine Frist und fordern Sie erneut zur Zahlung auf.
  • Ist die Frist ohne Zahlung verstrichen, richten Sie sich an die Beschwerdestelle des Versicherers. In der Regel müssen Sie hier erneut den Sachverhalt ausführlich darstellen.
  • Sie können sich auch an den Ombudsmann, eine neutrale Schlichtungsstelle, wenden. Da diese Institution regelmäßig überlastet ist, müssen Sie jedoch mit vielen Monaten Bearbeitungszeit rechnen. Außerdem ist die Entscheidung des Ombudsmanns in der Regel ab einem Streitwert von 10.000 Euro nicht bindend. Im Streit um eine Unfallversicherung geht es oft um höhere Beträge.
  • Bleibt die Zahlung nach wie vor aus, sollten Sie sich an einen Fachanwalt für Versicherungsrecht wenden. Die Erfahrung zeigt, dass Konflikte mit Hilfe eines Anwalts oft schnell und außergerichtlich gelöst werden können.
  • Im äußersten Fall sollten Sie Klage erheben. Natürlich sind vorher Ihre Erfolgs-chancen genau zu prüfen.

6. Fazit

Eine private Unfallversicherung zahlt im Falle eines Unfalls im privaten Kontext.

Mögliche Leistungen sind zum Beispiel eine regelmäßige Unfallrente oder eine einmalige Invaliditätsleistung.

Verweigert der Versicherer die Zahlung, sollte zunächst eine Frist gesetzt werden. Verstreicht diese fruchtlos, ist es sinnvoll, einen Fachanwalt für Versicherungsrecht zu kontaktieren.

Rufen Sie uns einfach an unter 0221 – 953 50 20 oder schreiben Sie uns eine E-Mail an info@anwalt-zemann.de. Wir beraten Sie gerne!

Bildquellennachweis: 6okean.gmail.com | Panthermedia

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